Vorgehensweise

Die Grundlage der osteopathischen Arbeit ist, wie in der klassischen Medizin, eine möglichst genaue Kenntnis von Anatomie und Physiologie. Man macht diese allerdings zur Basis einer genauen palpatorischen Untersuchung, die immer die Grundlage jeder Behandlung darstellt und aus der sich dann die Diagnose und Therapie ergeben. Dabei wird der Organismus als Einheit begriffen, die man nicht in einzelne, voneinander unabhängige Einzelteile aufteilen und behandeln kann. 

Neuere Forschungen über die Komplexität der Regelkreise im Organismus und über die neuro-vegetativen Zusammenhänge bestätigen diese Sichtweise.

Die osteopathische Dysfunktion

Als Grundlage der Arbeit mit den Patienten diente der Begriff ?osteopathische Dysfunktion ?, das bedeutet eine ertastbare Einschränkung der Beweglichkeit der Gewebe des Körpers als handfeste Richtlinie für Diagnose und Therapie. Im Gegensatz dazu steht die reine Symptombeschreibung- und Behandlung in der klassischen Medizin. Am einfachsten ist diese wahrscheinlich im Bereich der Gelenke nachzuvollziehen, als sogenannte ?blockierte Gelenke ? der Wirbelsäule uns Extremitäten. Aber in der Osteophathie wird dieser Begriff noch viel weiter ausgedehnt, z.B. auf innere Organe und deren freies Gleiten gegeneinander oder Spannungen von Blutgefäßen im Rahmen von Anpassungsreaktionen an Streß. Auch die Verarbeitung emotionaler Traumen und deren Kompensation in komplexen Muskelverspannungen, die zu Haltungsveränderungen führen, gehört in diesen Bereich.

Man spricht von primärer osteopathischer Dysfunktion, wenn eine Einschränkung der Beweglichkeit eines Gelenks oder verschiedener Gewebe entsteht als Schutz gegen eine drohende Schädigung an dieser Stelle. Der sogenannte Hexenschuß z.B. ist oft eine derartige Reaktion:  Zum Schutz vor einer zu großen Bewegung wird ein Wirbel reflektorisch blockiert.

Eine sekundäre Dysfunktion entsteht als Anpassung an die bestehenden Bewegungseinschränkungen des Körpers. Jede primäre osteopathische Dysfunktion schränkt die in seiner Nachbarschaft liegenden bzw. mit ihm funktionell verbundenen Bewegungsmöglichkeiten ein. Es ist meist wenig sinnvoll, eine Behandlung im Bereich dieser sekundären Einschränkungen anzusetzen, vielmehr sollte immer versucht werden, so weit wie möglich die primäre Dysfunktion zu mobilisieren. 

Ein Symptom entwickelt sich erst dann, wenn  der Organismus nicht mehr in der Lage ist, die Gesamtheit der bestehenden Dysfunktionen zu kompensieren, oder, mit anderen Worten, sein inneres Gleichgewicht zu erhalten. So ist vielleicht auch verständlich, warum häufig Probleme auftreten, ohne daß der Betroffene eine konkrete Ursache als Auslöser finden kann. Viele kleine Einschränkungen, die man oft gar nicht miteinander in Zusammenhang bringt, summieren sich und bringen ?das Faß zum Überlaufen ?. Die Kette der Kompensationsfähigkeit des Körpers reißt dann einfach an ihrem schwächsten Glied.

Der Beginn einer Krankheit oder auch von kleine Symptomen ist also immer das Ende einer langen Kette von Versuchen des Organismus, seine bestmögliche Funktion zu erhalten und bestehende Einschränkungen, gleich welcher Art, möglichst ökonomisch zu kompensieren. Dabei ist es aus unserer Sicht wichtig, daß eine bestimmte Art von Hierarchie in den Kompensationsmechanismen vorgenommen wird. So werden bestimmte Bereiche des Organismus immer mit höchster Priorität geschützt. Diese sind an erster Stelle die lebenswichtigen inneren Organe: Atmung, Herz und Kreislauf, Verdauung und Ausscheidung, Fortpflanzung. Demgegenüber hat der Bewegungsapparat keine so wichtige Stellung. Viele Haltungsveränderungen oder andere Symptome, auch Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates sind somit oft nur Ausdruck eines Schutzes dieser vitalen Bereiche.