Historisches

Eine der wichtigsten Grundlagen des Lebens ist die Bewegung und Beweglichkeit des Organismus. Bei seinen Patienten konnte Dr. Still regelmäßig Einschränkungen der Beweglichkeit der örtlich betroffenen Gewebe, aber auch reflektorisch bedingte Bewegungsverluste der Wirbelsäule oder auch Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks bei Schulterproblemen ertasten. Diese versuchte er in der Therapie wieder zu mobilisieren, um durch eine Optimierung der arteriellen Durchblutung und des venösen und lymphatischen Abtransports von Stoffwechselprodukten Selbstheilung zu ermöglichen.

Bei allen seine Patienten war es ihm also möglich, zu den jeweiligen Erkrankungen passende Einschränkungen der Beweglichkeit der betroffenen Gewebe und des Knochenapparates zu ertasten. So kam er zu dem Begriff Osteopathie, ?Os ?, der Knochen, als Hebel gegen ?Pathos ?, die Leiden oder Leidenschaften.

Lange Tradition in den USA, England und Frankreich

Durch langjährige Übung erlangte er sehr gute palpatorische (palpieren: tasten, fühlen) Kenntnisse und Fertigkeiten, die er später an seine ersten Studenten weitergab. Im Jahre 1894 kam es dann zur Gründung der ersten Hochschule für Osteopathie in Kirksville, im US. Bundesstaat Missourie. Diese Universität war von den offiziellen Behörden anerkannt und besteht im vielfach erweiterten Rahmen noch heute. Viele Neugründungen kamen im Laufe der Zeit hinzu, so daß die Osteopathie gegenwärtig ein integrierter Bestandteil des amerikanischen Gesundheitssystems ist.

Durch zurückkehrende Immigranten gelangte die Osteopathie schon sehr frühzeitig nach Europa. So kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Gründung von Schulen in England, später in Frankreich und Belgien und schließlich 1988 auch in Deutschland. Sie ist also keinesfalls eine neue Methode, sondern eine bewährte Behandlungsmethode mit wissenschaftlicher Tradition, die zur Grundlage verschiedener Richtungen manuell-therapeutischer Schulen wurde.

So entwickelte sich zum Beispiel die Chiropraktik in den USA direkt aus der Osteopathie. Es ist jedoch in diesem Zusammenhang notwendig, die Osteopathie von der Chiropraktik abzugrenzen, weil sich deren Techniken nur auf Teilgebiete (meist im Bereich der Knochen, Muskeln und Gelenke) beschränken!